Jakob und die Cybermights- ein neues Lernspiel über Cybermobbing ?

Bei der Suche nach gutem Material für Onlinemobbingpräventionskurse bin ich auf das Spiel „Jakob und die Cybermights“  gestoßen.  In dem Spiel, das vom Kinderschutzbund (Landesverband Bayern) und Digital Treasure Entertainment, unterstützt durch verschiedene Partner wie dem „Internet Explorer 10“ (sprich Microsoft), Klicksafe und Bigpoint, produziert wurde, sollen Kinder unter anderem lernen, was man bei Cybermobbing tun kann.

Zu finden ist das Spiel hier http://www.jakob-und-die-cyber-mights.de oder auf der klicksafe.de Seite.

Interessiert startete ich also das Spiel- nicht ahnend was mich da erwartet. Ich mag es eigentlich überhaupt nicht über Material, dass von anderen produziert wird herzuziehen, in diesem Fall ist Kritik allerdings angebracht.

Die Grafik und die Steuerung entsprechen einem einfachen Adventure. Soweit also OK und zielgruppengerecht.

Nachdem ich das Spiel ungefähr eine Stunde gespielt habe – das heißt ich kenne nicht das ganze Spiel- hier mein Eindruck:

Steuerung:

Die Steuerung ist OK- aber man kann nicht speichern. Das Spiel speichert automatisch, allerdings geht der Spielstand verloren, wenn man den Rechner ausschaltet und seine Cookies löscht.  Es gibt nur eine eingeschränkte Hilfestellung, wenn man nicht weiß, was man als nächstes tun soll. Dadurch kann bei Jugendlichen recht schnell die Frustrationstoleranz erreicht werden.

Inhalt:

Über den Umgang mit dem eigentlichen Thema Onlinemobbing konnte ich in den ersten 30 Minuten des Spiels nichts lernen. Auch danach kam das Thema viel zu kurz. Man bekommt im Spiel immer Emails mit Informationen, die man sich jedoch nicht durchliest, da sie den Spielfluss enorm stören und für das Weiterspielen nicht notwendig sind. Im Laufe der Handlung erfährt man, dass sich eine Spielfigur seltsam benimmt, seit sie am Morgen eine SMS bekommen hat. Man wird neugierig und muss die Figur von ihrer Tasche weglocken, um heimlich die SMS zu lesen. Um an die Nachricht ranzukommen muss man sogar den Handycode des fremden Handys knacken. Das mag als Spielelement ja durchaus Sinn machen, aber aus pädagogischer Sicht ist das ein absolutes no-go. Man kann Kindern doch nicht beibringen in einem Mobbingfall heimlich die SMS ihrer Mitschüler/-innen zu lesen und sich in ihre Handys zu hacken? (edit: An alle Spieler die hier landen, weil sie nach „Jakob und die Cybermights Handy knacken“ googeln- ihr müsst ein Z zeichnen ;))

Des Weiteren werden die Spielfiguren sehr stereotyp dargestellt. Das „Mobbingopfer“ ist ein kleines blondes Mädel mit Brille und guten Noten (-> Streberin), der Junge, dessen Handy man knacken muss und der offensichtlich erpresst wird, ist ein kleiner Außenseiter und der Klassenclown. Er hat eine Latzhose an und viel zu große Ohren. Da sieht man auf den ersten Blick, mit was man es zu tun hat. Die Reporterin trägt einen Trechncoat und das Mädel das „Model werden will“ ist dumm, blond, groß und schlank. Der Junge, der sich super mit Computern auskennt, trägt einen Strickpulli mit Rautenmuster und die Bösen… ja welche Gruppe wird wohl die böse sein?

Die Figuren aus Jakob und die Cyber Mights

Die Figuren aus Jakob und die Cyber Mights

Tadaa: Es sind die Punks bzw. Grufies. Dass sie Böse sind, sieht man schon am Totenkopf auf dem Oberteil und an den lila Haaren sowie den dunklen Klamotten.

(Anmerkung: Im Laufe des Spieles werden die Cyber Mights Jakob doch noch helfen. Dennoch werden nicht alle oder nur wenige Spieler so lange spielen, um diese Wandlung mit zu erleben)

Bitte liebe Spielemacher, bei Spielen, die sich gezielt an Kinder und Jugendliche richten sollten stereotype Rollenbilder nicht reproduziert werden. Weder laufen Nerds ständig in Strickpullis rum noch sind Gruftis und Punks böse und gemein. Wer das Jugendlichen beibringt, sorgt dafür, dass Mobbing gefördert  und nicht gestoppt wird. Ein großes Problem  und eine Ursache von Mobbing ist, das Andersartigkeit und Fremdartigkeit als gefährlich wahrgenommen wird und man darum anfängt diese Menschen auszuschließen. Sie sind ja „schließlich selbst schuld“ – weil sie immer so seltsame Klamotten tragen oder sich für andere Sachen interessieren wie der Rest. Gerade im System Schule, das darauf angelgt ist alle gleich zu behandeln wird Andersartigkeit gerne als Problem wahrgenommen. Schüler/-innen argumentieren in Anti Mobbing Kursen gerne mit dem Satz „die sind irgendwie anders- da darf man die doch mobben- weil sie ja selbst schuld sind“.

Als Pädagoge sollte man hier dagegen wirken und Diversität fördern und nicht verhindern.

Darum rate ich jedem, dieses Spiel nicht einzusetzen- außer für eine Stereotypenanalyse – dafür ist es nämlich super geeignet.

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